Hass ~ der unbewusste

Bruder der Wut

„Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.“

~ Nelson Mandela

Einen inneren Weg zu gehen, bedeutet für mich wahrhaftig zu werden, hinzuschauen und auch die Schattenseiten des Lebens zu betrachten! Ich habe mich aus aktuellem Anlass dazu entschieden  die Emotion Hass genauer zu beleuchten, welche momentan überall auf der Welt aufblüht, angefeuert von politischen Interessen, denn ich glaube fest daran, dass wir  Entwicklungen nur wirklich bewusst entgegen wirken können, wenn wir sie in der Tiefe verstehen.

Hass gehört zu unserem menschlichen, emotionalen Spektrum, er ist der dunkle und unbewusste Bruder der Wut, die als eigene Emotion eine schützende und Grenzen setzende Wirkung hat.

Der Hass jedoch übergeht gerade diese unsere eigene Grenze und überrennt dabei auch die Grenzen anderer Menschen, der Tiere, der Natur selbst. Hass scheint es schon bei früheren Menschenformen gegeben zu haben, er ist eine Art Turbo boost der Wut, eine Notfallknopf der Psyche, der eigentlich nur in seltensten Fällen und "über"-lebensgefährlichen Situationen auftreten sollte. Man glaubt deshalb, dass Hass sich als eine revierverteidigende Emotion entwickelte, um die eigene Sippe gegen Eindringlinge und Gefahren zu schützen und dabei auch über ethische Grenzen gehen zu können, auf irgendeiner Ebene tragen wir die Möglichkeit des hassens  wahrscheinlich also alle in uns.

Er tritt in uns hervor wenn unsere Grenzen vermeintlich oder wirklich verletzt werden und wurden, meist verlieren wir dann zumindest für kurze oder auch längere Zeit die Beziehung zu unserer eigenen inneren Ethik. Ich glaube, so wie es Nelson Mandela so schön formuliert, kein gesunder Mensch hasst von Natur aus und vor allem nicht durchgehend, denn diese Emotion ist so heftig und kostet soviel Lebenskraft, dass Menschen sich eigentlich nur in absoluten psychischen Notfall darauf einlassen.

Wir Menschen können jedoch dazu erzogen werden einen schnellen Zugang zu dieser Emotion zu finden: Angst, Ausgrenzung, Einsamkeit, soziale Not und auch traumatische Erfahrungen bilden "Short Cuts" zu dieser heftigen  Emotion, wie eine Entzündung kann sie so unterschwellig chronisch werden. 

Hass umschlingt unsere tiefsten Verletzungen, umrundet unsere Traumen, tobt in unserem Schatten, solange diese unbewusst bleiben. 

Diese Mechanismen können dann natürlich auch von außen genutzt werden, wir können also manipuliert werden zu hassen: es wird ein Kanal eine Lösung offeriert in der wir diese unangenehme und quälende  Emotion vermeintlich loswerden könnten, sie würde dann vielleicht verschwinden, wenn dieser äußere Faktor verschwinden würde, dies wird und wurde natürlich schon immer von politischen Strömungen ausgenutzt.

Wut ist eine Veränderungsenergie, sie kann zum Positiven genutzt werden, wie zum Negativen, die Unterscheidung zwischen Wut und Hass scheint mir sehr wichtig zu sein, denn nicht jede wütende Äußerung trägt den Keim des hassens in sich.

Echter Hass lodert auch bei chronischer Veranlagung akut auf, trägt diese Veränderungsenergie ebenso in sich, wirkt  immer zerstörerisch und hält ein extrem explosives Potential in sich verborgen, so dass wir Menschen diese massive Energie auf jeden Fall loswerden müssen, sei es verbal (Twitter, FB etc.) oder physisch. 

Alle inneren Wege sind dazu da unseren eigenen Schatten zu integrieren und uns in diesen tiefsten Verletzungen kennen zu lernen und uns empathisch zu halten. Lernen wir die feinfühligeren Emotionen unter dem Hass kennen: die Traurigkeit, die Angst, den Schmerz können wir an unserem Hass wachsen.

Bleibt er unbewusst nährt er immer nur neuen Hass, nur wenn wir dies erkennen, und die menschliche Seite in uns ganz annehmen lernen, verstehen wir das Hass diese ältesten und tiefsten Verletzungen umrankt, und diese versucht zu beschützen, denn er ist allzeit bereit zu zu beißen und Trigger und Gefahren  im Äußeren zu zerstören.

Wir müssen uns also neue Fragen stellen:  Wie wollen wir die  Welt  in Zukunft gestalten? Wie können wir es vermeiden diese Felder auf denen der Hass lodert weiter zu nähren, indem wir unseren persönlichen Hass und unseren Verletzungen mit in dieses Feld hineinfeuern? Wie können wir das Leben für Kinder so gestalten, dass sie keine soziale Not und Ausgrenzung erleiden und möglichst traumafrei aufwachsen können? Wie können Kriege und Diktaturen vermieden werden und Menschen die traumatische Situationen erlebt haben unterstützt werden?

Denn alle schweren und nicht integrierten Erfahrungen blockieren den Kontakt zu unserem feinfühligen Wesen und damit unserer inneren Ethik.

Wie Nelson Mandela es in seinen wunderbaren Worten ausdrückt: wir können auch lernen wieder zu lieben, weil dies unsere natürliche Ethik ausdrückt, dazu können wir die Werkzeuge von Körper uns Psyche nutzen, den Mut aufbringen unserem Schatten in die Augen zu blicken, um eine neue und friedlichere Welt zu kreieren.

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©Catherine von Guenther 2019

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