© 2017 Catherine von Guenther

Yoga bedeutet für mich zärtlich zu lauschen... der instinktiven Weisheit des eigenen Körpers, dem Leben das sinnlich durch uns hindurch pulsiert, dem strömenden Fluss der Emotionen, dem klaren Sirren unserer Gedanken ....um am Ende auf die ungebändigte Freiheit und Freude unserer Essenz zu stoßen!

...komm mit und lausche...

Die Natur, der Wald, die Bäume! Mein erster Moment der Verbundenheit, dem später viele weitere in der Natur folgen sollten....ich war höchstens vier Jahre alt und trotzdem ist diese Erinnerung mir immer präsent ....mitten im Wald, liegend auf dem Rücken, den Blick in die Bäume gerichtet, durchströmte mich ein so tiefes Gefühl des Glücks und der Verbundenheit mit der Natur. Ich glaube bis heute, dass mich dieser Moment geführt hat über manchmal hohe Wellen und die stürmische See des Lebens hinweg. Egal wann, es gab immer dieses Bewusstsein, in der Natur liegt der Funken des Eins-Seins, ein vertrautes gehalten Werden!

Jahre später nach meiner ersten Yogastunde fühlte ich mich zurückversetzt in diesen besonderen Augenblick, aber diesmal war ich mitten in der Stadt, mein Leben zu dieser Zeit, Anfang zwanzig intensiv, kurz vor den Abschlußprüfungen und in einer nicht einfachen Phase meines Lebens, fand ich dieses Gefühl wieder...in der Wildnis meines eigenen Körpers. Die Natur war ein Stückchen näher gerückt.

Wie die Natur heilen kann

 

In meiner dreijährigen Heilpraktikerausbildung an der Josef-Angerer Schule in München habe ich mit größter Freude den Körper, die somatische Ebene und die Kräuterheilkunde studiert und dabei immer wieder erfahren wie wichtig es ist den Körper wieder in den Rhytmus der Natur einzuschwingen, die inneren Elemente und Ebenen zu erspüren und zu durchdringen. Doch in meiner ersten Yogastunde hatte ich erfahren, mit welcher Kraft und Geschwindigkeit uns unser Körper zurückführen kann, in eine kraftvolle Erfahrung der Freude und der Stille. Der Körper ist noch viel mehr Natur , als unser Mind, er ist der wilde Garten Eden, den wir immer mit uns tragen. Dieser Moment der spontanen Erfahrung des freudvollen Eins-Seins, prägt noch heute meinen Unterricht, denn die Erfahrung, das zwei Stunden Bewegung das innere Feld  in ein feines und glückliches Fühlen lenken kann, fasziniert mich bis heute. So wird auch mein Unterricht von dieser Erfahrung getragen! Welche Bewegung induziert welches Fühlen?... unterstützt welche Qualität, die wir uns wünschen?

Yoga und die Magie der Natur

Die Lehrerin die meinen Unterrichtsstil und meine Sicht des Yoga am meisten geprägt hat, ist Shiva Rea. Bei ihr entdeckte ich über viele Jahre hinweg die Verbindung des Yoga mit der Natur. Ihre Annäherung an den Körper ist von einer somatischen Sichtweise getränkt, die dem Körper mehr Freiheit schenkt als es in manchen klassischen Yogastilen möglich ist. Diese Freiheit kam mir immer sehr entgegen, denn als ich einmal die wilde und freie Kraft des Körpers gekostet hatte, löste sich die Struktur der Asanas mehr und mehr auf.  

Nach der Geburt meines Sohnes, war mein Körper  überlastet von Schwangerschaft und Geburt und ich litt unter chronischen Rückenschmerzen, die ich durch nichts unter Kontrolle bekommen konnte. Doch das Leben führt uns immer weiter zu den richtigen Menschen.  Um den Blick auf die Form wieder zu schärfen, habe ich einige Jahre intensiv bei Barbra Noh, die Intelligenz der Biomechanik studiert, um meinen Körper bei der Praxis zu schützen. Die Rückenschmerzen schwanden dahin. Nun sind sie für mich ein Parameter geworden, sie kommen ab und zu zurück, sie sind ein Warnsignal meines Körpers bei Überlastung...ich versuche zu lauschen und meinem Körper immer wieder das zu geben was er braucht um mich durch das Leben zu tragen. Yoga ist für mich  ein Spiel zwischen Form und Formlosigkeit, Kontraktion und Auflösung geworden. Je nachdem was ich gerade brauche praktiziere ich frei und ungebunden oder geschützt und behütet. Durch Somatik und Biomechanik konnte ich die Balance zwischen beiden Qualitäten finden und schwinge dabei einmal mehr zum einen , dann zum anderen Pol.

Somatische Körperarbeit

Die Lehre der Somatik, deren Ahne das Yoga ist, sieht den Körper nicht als eine mechanisch funktionierende Maschine, sondern als ein lebendiges Wesen, das kommuniziert, eine eigene Weisheit und eine wunderbare Heilkraft besitzt. Body Mind  Centering, die Lehre der somatischen Körpersysteme, die von Bonnie Bainbridge Cohen gelehrt wird, hat meiner Yogapraxis eine neue und dreidimensionale Tiefe geschenkt. Nicht nur die biomechanischen Körpersysteme der erdigen Knochen, feurigen Muskeln und wässrigen Gelenke bewegen uns, sondern auch die Kaskaden der Hormone, die Elektrizität des Nervensystems und vor allem der innere Ozean beteiligt sich an unseren Bewegungen, dadurch verändert sich die Qualität der Bewegung, sie wird organisch, natürlich und animalisch. Jede Praxis in der ich eines der Körpersysteme einbeziehen konnte, wurde zu einer abenteuerlichen Reise in den inneren Kosmos und verband sich dabei mehr und mehr mit den Kräften der Elemente im äußeren Makrokosmos. Diese Erfahrung lässt mich bis heute nicht los. Gerade tauche ich durch Continuum Movement, eine andere Somatische Körperarbeit, begründet von Emilie Conrad in den inneren Ozean ein, in mir entsteht dabei ein grenzenloses inneres Gefühl, der Urozean durchströmt mich,  mit jeder rauschenden Atembrise....

Somatisches Körperglück reist auf empfindsamen Sohlen hat aber eine lebensverändernde Kraft, das habe ich immer wieder erfahren. Je mehr ich mich auf den Körper  einlassen und ihm vertrauen kann, desto mehr genieße ich die Kraft der Freiheit. Der Kopf lenkt den Körper nicht mehr, unsere erlernten Konzepte und Gedanken versuchen gerne unseren Körper zu versklaven und ihn am Ende zum gehorsam zu zwingen oder ihn gar zu brechen...aber hat unser Körper sich einmal an seine animalische Wildheit erinnert verteidigt er seine Grenzen, denn zu dieser freien Kraft gehört eine unendliche Empfindsamkeit die beschützt werden möchte!

Tanz ~ Movement medicine

Getanzt habe ich, seit ich denken kann, ich kann mich noch genau erinnern als mich mit sieben der Rock n` Roll mitten ins Herz getroffen hat, es war ein Gefühl von Freiheit,  von Kraft,  von ungebändigter Wildheit...noch immer spüre ich diese Power wenn die Musik wie ein Meteorit in den Körper einschlägt, alles ist vergessen, die Gedanken verfliegen und ich bin pure Bewegung, purer Körper. Tanzen hat mich gelehrt, wie heilsam Bewegung auf unsere Psyche wirkt. Indem wir die Kraft der Musik verstoffwechseln lauschen wir dem wilden Sound unserer Essenz. Ich beginne mich in der Musik aufzulösen. Wer tanzt?

Um dieses Gefühl immer wieder zu finden probierte ich vieles aus, über Ballett, Jazz, Step und Paartanz....aber nur freier Tanz konnte mir diesen Zugang zu dieser inneren Quelle ermöglichen.

Über Shiva Rea´s Yoga Trance Dance kam ich mit der Arbeit von Gabrielle Roth und den Fünf Rhytmen in Berührung. Ich entdeckte durch die verschiedenen Rhytmen ganz neue Bewegungsqualitäten in mir. Zuvor war es hauptsächlich die feurige und heiße Musik die mich bewegt hatte, ob Rock, Punk, Hardcore oder Dancehall...die Stacatto und Chaos Qualität war es, die mich früher immer zum tanzen brachte. Aber die fünf Rhytmen brachten ein anderes Körper- und Musikgefühl zum Vorschein: Flowing, fließen, undulieren, eine neue Flora der Bewegungen öffnete sich. Lyrical, sandte Brisen der Leichtigkeit und Lebendigkeit durch meinem Körper und Stillness, die innere Weite und Stille der Meditation. Weiter ging ich mit Didier Rouchon einem am Tamalpa Institut/Kalifornien von Anna Halprin ausgebildeten Tänzer und tanzte meinen Körper neu.  Eine neue faszinierende Kommunikation entstand. Ich stellte eine Frage, der Körper tanzte die Antwort! All diese Erfahrungen liesen einen neuen Wunsch in mir entstehen, noch ein wenig tiefer in das Feld des freien Tanzes einzutauchen. Um mein therapeutisches Bewegungs Repertoire zu vervollständigen, entschloss ich mich eine Tanzpädagogik Ausbildung bei Claudia Mehlbeer zu machen. All dieses Wissen fließt nun in meine Grooves Workshops ein.

Meditation und emotionale Kraft

Qi Gong, Tai Ji und Kung Fu

Bewegung fasziniert mich, und da der Körper unendlich kreativ ist, haben sich soviele unterschiedliche Bewegungsformen herausbgebildet. Jede Bewegungsarbeit hat mich bis jetzt bereichert, sie widersprechen sich nicht. Im Gegenteil! Jede Disziplin bereichert die andere schenkt mehr Kraft, Körperbeherrschung, Leidenschaft, Freiheit, Fluss, Sanftheit, Stille und letztendlich Freude. Ich bin ein Freiheitsliebender  und neugieriger Mensch und gerade meinen Körper wollte ich nie in eine Disziplin einsperren sondern immer neue Erfahrungen durch  Bewegung machen. So fing ich schon mit ca. 18 Jahren mit Qi Gong und Tai Qi  an, das sanfte fließen brachte mir ein neues Körpergefühl der Feinheit und Sanftheit. Der Körper schwebt über den Boden, die inneren Bilder aus der Natur gegriffen, beruhigen den Mind und nähren die Seele. Wo endet der Körper, wo beginnt er? Wir verlieren uns und finden uns dabei als ein Teil der Natur wieder. Bei Annette Kaiser, ging ich den Tai Ji Do und machte die dreijährige Ausbildung zur Tai Ji & Qi Gong Lehrerin.

Tai Ji ist die sanfte Schwester des Kung Fu.  Kung Fu als Kampfkunst hat mein Bewegungsrepertoire und mein Bewegungsverständnis sehr bereichert und den feurigen Muskelmind geweckt, es hat mich zu meinen Instinkten und meinen eigenen Grenzen getragen um diese zu bewahren. Wieder machte ich die Erfahrung wie Bewegung und Bewegungsqualität unsere Psyche verändert und uns versteckte Teile unserer Persona wieder finden lässt. Ich bin Ajahn Lao Vongilay, sehr dankbar für seine Feinheit, sein therapeutisches Gespür und seinen Humor den er in die intensive Praxis des Kung Fu immer wieder einfliessen lässt.

Meditation und emotionale Kraft

 

Meditation ist die Reise in die Freude!  Meditation ist einfach, suche dir etwas was du liebst und tauche ein. Meditation ist ein menschlicher Instinkt, sie ist so natürlich wie dein Atem...sie ist zärtliche Aufmerksamkeit eine ständige Kommunkation mit dem Leben und unserer Esssenz. Mein Weg mit der Meditation begann mit 25 als ich Annette Kaiser traf, ihre einfache und doch kraftvolle, klare und liebevolle Art die Essenz des Herzens weitergeben wirkte für mich lebensverändernd. In vielen Retretas spürte ich die tiefe Verbindung zwischen unserem emotionalen Körper und der Beziehung zu unserem Leben und der Essenz. Sind die Emotionen im Schatten und uns unbewußt, verliert sich auch das Licht unserer Essenz. Nur wenn die Emotionen auf dem Weg mitgenommen und integriert werden ist wahre Transformation und Veränderung möglich. Auf  einem Pfad der wilden Gelassenheit und leidenschaftlichen Stille verbinden sich die Sinne, Emotionen, Empfindungen und die Instinkte zu einem Sound der Sehnsucht nach der Einheit.

Meditation ist für mich zu einer sinnlichen Liebesbeziehung zwischen dem Körper und der Unendlichkeit geworden. Sally Kempton, die einen feministisch-weiblichen Ansatz der Spiritualität lehrt ist mir eine ständige Inspiration geworden, Ihre Kraft die alten Lehren des kashmirischen Shivaismus in moderne Wort zu hüllen bereichert meine Praxis und meinen Unterricht seit vielen Jahren. Spontanität der Erfahrung wird möglich, wenn ich mich hingebe und nicht mehr versuche die Erfahrung zu kontrollieren.

Atem, lauschen, sehen, lieben...alles wird zu einer Tür um die Essenz des Lebens zu berühren.

Camille Maurine hat mir einen so tief sinnlichen Ansatz der Meditation gelehrt, mit dem ich nicht anders konnte , als die Widerstände in mir aufzugeben und sie schmelzen zu lassen.

Last but not least....wie alles zusammen fliesst!

Was steht für mich im Mittelpunkt? Der Körper der uns in seiner evolutiven Weisheit, seinem instinktiven Gefühl und seiner verspielten Lebensfreude in unsere Essenz führen kann! Die Emotionen die durch unseren Körper strömen und uns Lebendigkeit und Ausdruck verleihen. Durch Freiheit entsteht Freude an der Bewegung des Körpers. Als Freiheitsliebender Mensch und Leidenschaftliche Frau möchte ich mein gesamtes erfahrenes und erlerntes Körper Wissen in meine Praxis und meinen Unterricht einfließen lassen. Nur wer Freiheit und Körperglück lebt kann dies auch weitergeben, dies ist mein Credo! Körpergefühl und Bewegungsintelligenz schützen uns, in diesem Feld des Schutzes können wir frei unseren Körper ausprobieren und uns als Mensch immer wieder neu erfahren. Yoga, Qi Gong, Tai Ji, Somatik fliessen in meinem Unterricht dabei zusammen und werden eins...Movement medicine!

All meinen Lehrern auf diesem wilden und erhabenen Lebensweg bin ich unendlich dankbar! Wo wäre ich ohne sie gelandet, sie die sie mir den Weg in den Körper und in die Essenz gewiesen haben?

Leidenschaftlicher Dank an meine "Roots Teacher":

Shiva Rea, für die Freiheit die du dir genommen hast und den Mut neue  Wege zu gehen, Annette Kaiser,für deine tiefe Weisheit und Liebe, die mir immer wieder den Weg beleuchtete, Sally Kempton, für deine weibliche Sicht der lebendigen Spiritualität, Camille Maurine, für deine sinnlich gelebte Meditation und deinen Tanz und an Christina Hagendorn, Barbra Noh, Sianna Sherman, Karla Mc Laren, Ashley Turner, Barbara Theiß, Ajahn Lao Vongilay, Didier Rouchon, Diane Long, Liz Warrington.

Voller Liebe auch dank  an meine drei Männer! Meinen Sohn der mich genauso ins Leben gebracht hat wie ich ihn, meinen Mann der mich jeden Tag in eine zärtliche Liebe hüllt  und auch unseren Golden Retriever Samy, durch denn ich mehr über natürliche und organische Bewegung gelernt habe als jemals zuvor.