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  • Catherine von Guenther

Emotionen


Emotionen, das was uns bewegt, was uns in Wallung und Leidenschaft versetzt, aber auch Leiden lässt, ein tiefer Ozean, voller Leben....


Während sich Psychiater, Neurobiologen, Verhaltensforscher und Soziologen darüber streiten, wo unsere Emotionen entstehen, ob Gedanken oder Bedürfnisse Gefühle hervorrufen, ob es kategorisierbare Emotionen gibt und wenn ja welche primäre oder sekundäre Emotionen sind, haben viele dieser Theorien auf unser normales Leben wenig Auswirkungen.


Denn obwohl noch nie zuvor ein so breites Allgemeinwissen über die Psychologie (Psyche = Seele, Logos = Gesetz) hatten, wissen nach wie vor die wenigsten Menschen, wie sie mit Ihren Emotionen einen positiven und intelligenten Umgang und eine liebevolle Beziehung entfalten können.


Jede Kultur hat ihre eigenen Wertbestimmungen für Emotionen und hierarchische Wertungen wer in der Gesellschaft, welche Emotionen ausdrücken und fühlen darf. Dies kann z.B. auch Gender spezifisch getrennt sein. (Frauen dürfen ihre Wut nicht ausdrücken, Männer dürfen keine Angst zeigen). Schon als Kinder erlernen wir die familiären, genderspezifischen und kulturellen Gebote und Verbote unserer emotionalen Sozialisation.


Gerade in unserer Vernunft orientierten und aufgeklärten Kultur ist zu beobachten, dass der intensive Ausdruck von positiven wie negativen Gefühlen häufig als kindlich, störend und unreif aufgefasst wird. Emotionen werden also unterdrückt, kategorisiert, zelebriert, manipuliert, gedemütigt, oder ignoriert, aber so gut wie nie als gesunder Ausdruck unserer Psyche wahrgenommen und bewusst gelebt.



Je weniger bewusst wir jedoch unserer Emotionen sind, desto leichter sind wir ausgeliefert und auch manipulierbar, sowohl als Individuum in zwischenmenschlichen Beziehungen, als auch als gesamte Gesellschaft. Denn wenn wir genauer hinsehen, nutzen, obwohl den Emotionen im gesellschaftlichen Kontext häufig immer noch der Duft des Primitiven anhaftet, Werbung, Industrie und Politik die Emotionen ständig, um Umsatz und politische Vorteile zu erzielen.

So besteht in der Kultur selbst ein tiefer Konflikt über den Wert der Emotionen. Da die Emotionen eng mit dem Bild der eigenen Persönlichkeit verbunden sind, tragen wir damit den kulturellen Konflikt direkt in unsere Seele. Die Einteilung in „Gute Emotion“ und „Böse Emotion“, ist für unsere Psyche katastrophal. Sie beraubt uns der in Jahrmillionen entwickelten Intelligenz der Emotionen, unserer Menschlichkeit und letztendlich auch der Lust am Leben, denn Emotionen schenken uns Vitalität und die Fähigkeit das Leben in allen Nuancen wahrzunehmen und als soziale, empathische Wesen zu leben.

Ein neuer Blick auf die Weisheit der Emotionen ist also dringend von Nöten.

Neuere Forschungen sehen die Emotionen als jahrmillionen alte, qualitativ geprüfte, evolutionäre intrapersonelle Programme, die uns unterstützen unser Leben zu meistern. Gefühle können, wenn sie frei und bewusst fließen eine Quelle an Vitalität und ein Hort der Weisheit sein, die wir sowohl für unsere Selbsterforschung, als auch für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nutzen und damit sowohl uns, als auch unsere Beziehungen heilen können.


Ein neuer Blick auf die Emotionen kann entstehen, wenn wir die Aufgaben der einzelnen Emotionen und die darin liegende Intelligenz verstehen und akzeptieren lernen. Dies ist der erste Schritt, sich von der pathologisierenden Sicht auf die Emotionen zu lösen.




Der bekannte Neurologe und Emotionenforscher Antonio Damasio definiert Emotionen, gleichermaßen erfrischend neutral, als auch evolutionär genial:

Emotionen sind neurologische Programme, die eine Handlung erfordern!

Jede Emotion ist also ein neurologisch-hormonelles Programm, das über Jahrmillionen entwickelt und perfektioniert wurde, um animalisches Zusammenleben und damit auch menschliche Gruppenbildung möglich zu machen. Er geht durch seine Forschungen davon aus, das Bewusstsein, Intelligenz, Erinnerung, Lernen, Sozialisation nur durch Emotionen überhaupt erst möglich wird. Gefühle sind dabei das älteste Informationssystem, dass den Menschen in einen Bezug, sowohl zur äußeren, als auch zur inneren Welt stellt.


Alle Emotionen finden dabei in unserem Körper und in unserem Nervensystem statt, das bedeutet, sie sind somatisch und haben einen direkten Einfluss auf unsere körperlichen Reaktionen und Funktionsweisen. Dieses Bild das Körper und Psyche eng interagieren und kommunizieren kann uns inspirieren ein neues Verhältnis zu unserem Körper uns seinen Bedürfnissen zu finden. Durch intensive Erforschungen unseres Körpers in Bewegung, können wir vielleicht mehr und mehr von einer Körperpsyche sprechen, die wenn sie optimal eingestimmt ist, unsere Seele in eine Sinfonie der Lebendigkeit einschwingt.



Photos: Unsplash@ Ben White

Unsplash@ Sydney Sims

Unsplash@ Xavi Carbrera

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